Kiew erlebt die schwersten russischen Angriffe auf seine Energieinfrastruktur seit Kriegsbeginn. Vier massive Raketen- und Drohnenangriffe innerhalb eines Monats haben die ukrainische Hauptstadt in eine schwere Krise gestürzt: Rund 6.000 Wohngebäude sind ohne Heizung, 600.000 Menschen haben die Stadt seit Anfang Januar verlassen. Bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius bricht die Energieversorgung zusammen – und deutsche Hilfe läuft auf Hochtouren.
In der Wohnung des Kiewer Bewohners Wsewolod Sewastjanow herrschen nur noch plus zwei Grad. Seit rund drei Wochen fällt die Heizung aus, Rohre platzen, Wasser gefriert in den Leitungen. «Unsere Wohnung ist kaum noch bewohnbar», sagt er. Vergangene Woche schlug eine Drohne nur rund 100 Meter von seinem Haus entfernt ein. Trotzdem sieht er sich noch als vergleichsweise glimpflich davongekommen: «Immerhin sind die Fenster heil geblieben».
Die russische Armee greift erstmals seit über drei Jahren gleichzeitig Gasinfrastruktur, Stromnetze und Heizsysteme an. Das Besondere: Die Angriffe folgen so schnell aufeinander, dass Reparaturen kaum nachkommen. «Im aktuellen Zustand würde die vollständige Reparatur der Energieanlagen mehrere Monate dauern – aber auch das nur, wenn Russland auf weitere Angriffe verzichten würde», sagte der Energieexperte Andrian Prokip dem Tagesspiegel.
Deutsche Winterhilfe wird aufgestockt
Deutschland reagiert mit umfangreicher Unterstützung: Das Entwicklungsministerium erhöht seine Winterhilfe um weitere 15 Millionen Euro auf insgesamt 85 Millionen Euro. Deutschland lieferte bereits zwei Blockheizkraftwerke nach Kiew, weitere Anlagen, Generatoren und Heizsysteme folgen. Die Hilfe soll 86.000 Menschen sowie fünf Krankenhäuser, 25 Kindergärten und 13 Schulen mit Strom und Wärme versorgen.
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) stellte klar: «Russland erschwert mit seinen Angriffen das Leben in der Ukraine und setzt darauf, dass viele Menschen die Flucht ergreifen. Wir setzen auf die Widerstandskraft des ukrainischen Volkes und stehen an seiner Seite.» Die Lieferungen seien «Hilfe, die direkt ankommt und wirkt, wo sie am nötigsten gebraucht wird.»
Energiesystem am Limit
Die Lage ist kritisch: Maxym Timtschenko, Chef des größten privaten Energieunternehmens DTEK, warnte in der Financial Times: «Auf dem Spiel stehen nicht nur Strom und Wärme, sondern auch lebenswichtige Dienstleistungen wie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung».
Kiews Energieversorgung hängt stark von zwei großen, verwundbaren Heizkraftwerken aus Sowjetzeiten ab – deren Standorte sind bekannt.
Der jüngste schwere Angriff am vergangenen Wochenende traf zeitlich mit den Friedensverhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi zusammen. Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf X: «Die Raketen trafen nicht nur unser Volk, sondern auch den Verhandlungstisch».
Widerstandswille bleibt ungebrochen
Trotz der extremen Bedingungen zeigt sich die ukrainische Bevölkerung standhaft. Eine aktuelle Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie aus dem Januar ergab: 60 Prozent der Ukrainer sind bereit, den Krieg «so lange wie nötig» durchzustehen – ein Wert, der sich seit Herbst 2025 «kaum verändert» hat. Rund 90 Prozent misstrauen der russischen Führung und Gesellschaft.
«Trotz der Versuche, die Menschen in Kälte und Dunkelheit zu stürzen, wächst die Bereitschaft zu schmerzhaften Zugeständnissen an Russland nicht», sagte der Soziologe Anton Hruschetskyj, Direktor des Instituts. «Im Gegenteil: Diese Herausforderung mobilisiert und eint die Gesellschaft in gewisser Weise». Sein Fazit: «Der Spielraum für Druck auf die ukrainische Gesellschaft bleibt für Putin sehr begrenzt».
Ein Video, das in ukrainischen Netzwerken viral ging, zeigt Bewohner eines Kiewer Hochhauses, die sich im Hof an einem Feuer wärmen – und dabei zum Lied «Russia Goodbye» tanzen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.






