Tova Friedman steht an einem kalten Januartag im Bundesarchiv Berlin und blättert durch Nazi-Dokumente – genau 81 Jahre nach ihrer Befreiung aus dem Konzentrationslager. Die 87-jährige Holocaust-Überlebende aus den USA spricht zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag. Deutschland hat sie 75 Jahre lang gemieden.
Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, führt Friedman durch die Archive in Berlin-Lichterfelde. Sie hält einen als «geheim» klassifizierten «Schnellbrief» aus dem Februar 1943 in den Händen – er regelt die Deportation von 5.000 Juden über 60 Jahre aus Theresienstadt nach Auschwitz. «So viele Papiere», sagt Friedman.
Die Dokumente der Vernichtungsmaschinerie grausen sie. In einer Personalakte liest sie über einen SS-Hauptscharführer aus Ansbach, der mit 20 Jahren in die NSDAP eintrat und ab September 1942 in der Häftlingsverwaltung von Auschwitz arbeitete.
Friedman wendet sich an Hollmann: «Können Sie die Familien ausfindig machen und ihnen das zuschicken?» Es sei doch wichtig, dass die Nachkommen dieses Mannes und auch die anderer Nazi-Verbrecher wüssten, was ihre Vorfahren damals getan haben.
Friedman wurde 1938 in Gdingen nahe Danzig geboren. Mit fünf Jahren deportierten die Nazis sie nach Auschwitz-Birkenau. Sie überlebte zusammen mit ihrer Mutter. Ihr Vater überlebte das KZ Dachau. Die Führung von Auschwitz versuchte kurz vor Kriegsende, Dokumente zu vernichten – wenige Tage vor der Befreiung durch die Rote Armee. Unterlagen, Büromaschinen und wichtige Akten sollten abtransportiert werden.
Zeitzeugin auf TikTok
Heute betreibt Friedman zusammen mit ihrem Enkel Aron Goodman einen TikTok-Kanal. In kurzen Videos erzählt sie von ihren Erfahrungen als Zeitzeugin. Eine Erinnerung: die Freude über ein Stück Brot von ihrer Mutter zum sechsten Geburtstag in der Kinderbaracke – und das Staunen, dass es sie erreichte, obwohl es viele hungrige Hände passierte.
Aron Goodman betont die Bedeutung solcher Zeitzeugnisse gerade in einer Zeit, in der die Verbreitung falscher Nachrichten und manipulierter Bilder durch KI stark zugenommen habe. Der Beitrag der Zeitzeugen sei sehr wichtig.
Dritter Besuch in Deutschland
Friedman betritt ein Gebäude mit eigener NS-Geschichte: Das Bundesarchiv-Gebäude in Berlin-Lichterfelde war einst eine Preußische Kadettenanstalt. Die Leibstandarte SS Adolf Hitler nutzte es ab 1933 als Kaserne. Nach 1945 beherbergte es US-Besatzungssoldaten. Heute ist es ein wichtiger Standort des Bundesarchivs, dessen Hauptsitz in Koblenz liegt.
Für Friedman ist es erst der dritte Besuch in Deutschland.
Nervös vor ihrer Rede im Bundestag ist sie nicht – sie ist es gewohnt, Zeugnis abzulegen.
Ihre Tochter und ihr Enkel begleiten sie auf dieser Reise.
Quelle: dpa
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.






