BASF eröffnet im ersten Quartal sein neues Großwerk in Zhanjiang, China - die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte mit rund 8,7 Milliarden Euro. Doch Kritiker warnen: Der Chemiekonzern schaffe neue Abhängigkeiten von einer autokratischen Führung, ähnlich wie zuvor in Russland. BASF rechtfertigt das Wagnis mit Verweis auf den unverzichtbaren Zukunftsmarkt China.
Der neue Verbundstandort erstreckt sich über rund vier Quadratkilometer und beschäftigt 2000 Mitarbeiter. Die Anlage wird nach Ludwigshafen und Antwerpen der drittgrößte Verbundstandort von BASF weltweit. Ein Dampfcracker produziert eine Million Tonnen Ethylen pro Jahr, hinzu kommen Petrochemikalien und Zwischenprodukte für Verpackungs-, Bau- und Automobilindustrie.
Kritik von Investoren
Linus Vogel von der Sparkassenfondsgesellschaft Deka bezeichnet die Investition als «riskante Wette», «zumal das China von heute ein ganz anderes ist als das China zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung». Arne Rautenberg von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, äußert ebenfalls Skepsis über die Renditeaussichten für Aktionäre.
Kritische Anteilseigner hatten ihre Bedenken bereits bei der Amtseinführung von CEO Markus Kamieth vor knapp zwei Jahren geäußert und auf der jüngsten Hauptversammlung wiederholt. Sie verweisen auf teure Abschreibungen in Russland nach dem Ukraine-Krieg als warnendes Beispiel.
BASF verteidigt China-Engagement
BASF begründet die Investition mit der strategischen Bedeutung des chinesischen Markts. Das Unternehmen erklärt: «Wir erwarten, dass rund 80 Prozent des Wachstums in der Chemieindustrie bis zum Jahr 2035 auf die Region Asien-Pazifik konzentriert sein werden.» China stellt bereits heute rund 50 Prozent des globalen Chemiemarkts.
Trotzdem sei BASF dort unterrepräsentiert: «Mit Blick auf diese Entwicklung ist BASF im größten Zukunftsmarkt noch immer unterrepräsentiert: 2024 erzielte BASF in China rund 13 Prozent des Gesamtumsatzes der BASF-Gruppe. Der Marktanteil ist deutlich kleiner als in den USA oder gar in Europa.» Die Produktion in Zhanjiang sei primär für den lokalen Markt bestimmt, nicht für den Export.
Eine Umfrage der Deutschen Auslandshandelskammer in Peking vom Dezember zeigt: 84 Prozent der Chemieindustrie-Mitglieder in China erwarten in den nächsten fünf Jahren ein steigendes durchschnittliches Jahreswachstum. 61 Prozent planen, ihre Investitionen in China in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen.
Geopolitische Risiken und Menschenrechte
Geopolitische Spannungen, insbesondere um Taiwan, werfen Schatten auf die Investition. BASF erklärt, Entwicklungen genau zu beobachten und Risikoszenarien für alle Länder zu bewerten, in denen das Unternehmen tätig ist.
Bei Menschenrechtsfragen verweist BASF auf systematische Überprüfungen: «Wir nehmen jeden Hinweis auf Menschenrechtsverletzungen sehr ernst und prüfen ihn sorgfältig.» 2024 verkaufte der Konzern Anteile an zwei Joint Ventures in China wegen Aktivitäten, «die nicht mit den Werten von BASF vereinbar sind».
Nachhaltigkeit als Argument
Das Werk in Zhanjiang wird «zu 100 Prozent» mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt. Die CO2-Emissionen sollen «um bis zu 50 Prozent» niedriger ausfallen als bei einer konventionellen Petrochemie-Anlage. BASF wirbt: «Ein deutlich niedrigerer CO2-Fußabdruck als die meisten Wettbewerber - und das zu wettbewerbsfähigen Kosten: Das macht uns zu einem attraktiven Partner unserer Kunden in China.»
Das Führungsteam in Zhanjiang besteht laut BASF «zum großen Teil aus chinesischen Mitarbeitenden».
Umstrukturierung unter Druck
Die Eröffnung fällt in schwierige Zeiten. CEO Markus Kamieth, früher Asienchef des Konzerns, sagte dem Handelsblatt: «Die Chemieindustrie erlebt wohl ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren.» BASF kämpft mit schwacher Nachfrage, fallenden Preisen und der US-Zollpolitik.
Am Hauptstandort Ludwigshafen mit über 30000 Beschäftigten wurden bereits Anlagen stillgelegt. Der Konzern plant umfassende Sparmaßnahmen und einen Umbau zu einem Unternehmen mit vier Kerngeschäftsbereichen. Die Agrarsparte soll 2027 an die Börse gehen. Bis Ende 2028 sind betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen ausgeschlossen.
BASF räumt ein: «Derzeit gibt es in China Überkapazitäten bei vielen chemischen Produkten.» Das Unternehmen erwartet jedoch: «Es ist zu erwarten, dass ältere Anlagen mit geringerer Energieeffizienz und schlechteren Umweltstandards in den kommenden Jahren stillgelegt werden müssen.»
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.







