In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinweg und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.
Vertreibungsopfer mit christlicher Ehrung
Der Bischof des tschechischen Leitmeritz, Stanislav Přibyl, hat eine wichtige Geste angekündigt, indem er sich entschied, 2026 als Jahr der Versöhung auszurufen. Dabei will er auch der deutschen Opfer der Vertreibung gedenken. Přibyl kündigte an, dass das Thema Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung in Predigten, Gedenkfeiern und Begegnungen aufgegriffen werde. Geplant sind zwölf besondere Gottesdienste an verschiedenen Orten der Diözese, die ausdrücklich dem Gedanken der Annäherung gewidmet sind. Diese ökumenischen Veranstaltungen sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen und den Austausch zwischen Zeitzeugen sowie deren Familien ermöglichen.
Stanislav Přibyl, Bischof von Leitmeritz.Foto: Hofman Jiří/Wikimedia Commons.
Ziel ist es, Erinnerung nicht nur zu bewahren, sondern sie auch in einen offenen Dialog zu überführen. Nach Kriegsende waren rund drei Millionen Sudeten- und Karpatendeutsche gezwungen, die damalige Tschechoslowakei zu verlassen. Enteignungen, Gewalt und Todesopfer prägten diese Zeit und hinterließen bis heute spürbare Narben. Historiker bewerten die Initiative des Bischofs als wichtigen Schritt, um das Bewusstsein für dieses Kapitel der Geschichte zu schärfen und langfristig zur Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen beizutragen.
Quelle: diesachsen.de
Vereine sollen mit der Volksgruppe wachsen
Zuwachs der Volksgruppe bedeutet nicht zugleich Zuwachs in den Vereinen. In Dänemark will man aber, dass der Unterschied so klein wie möglich bleibt. In der Kommune Sonderburg beispielsweise nimmt die Zahl der Angehörigen der deutschen Minderheit spürbar zu. Gleichzeitig zeigt sich bei Vereinsveranstaltungen ein anderes Bild: Das Publikum ist meist deutlich älter. Ruth Nielsen, Bezirksvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), beschreibt diese Entwicklung offen, bleibt dabei aber optimistisch. Zwar sei die Mitgliederzahl im Ortsverein Sonderburg auf rund 500 gestiegen, doch viele der Neuzugänge – häufig Familien mit Kindern an der Deutschen Schule Lunden – fänden kaum Zeit für das Vereinsleben. Gerade junge Familien hätten andere Prioritäten, erklärt Nielsen. Beruf, Kinder und Alltag ließen wenig Raum für Treffen am frühen Abend, weshalb selbst familienfreundliche Angebote mitunter mangels Anmeldungen abgesagt werden müssten. In den elf deutschen Vereinen der Kommune wird daher intensiv darüber beraten, wie man neue Zielgruppen besser erreicht. Gemeinsame Veranstaltungen und stärkere Kooperationen sollen neue Impulse setzen. Für das Jahr 2026 sind bereits mehrere Höhepunkte geplant – darunter ein Jubiläumsfest und eine gemeinsame Musicalfahrt.
Quelle: nordschleswiger.dk
Russlanddeutsche zeigen sich künstlerisch
Die Russlanddeutschen haben reichlich Talent – dies wird in einer neuen Ausstellung bewiesen, die zur Jahreswende in Moskau ihre feierliche Eröffnung hatte. Das Projekt „Erbe in Farben“ wurde dem kulturellen Gedächtnis der Wolgaregion gewidmet. Präsentiert werden Werke russlanddeutscher Künstler, die während mehrtägiger Kunstlabore direkt vor Ort entstanden sind und Geschichte auf moderne Weise sichtbar machen. Im Mittelpunkt stehen Motive historischer Kirchen, Wohnhäuser, Industrieanlagen und öffentlicher Gebäude, die den Wandel der Zeit überstanden haben. Die Malereien zeigen nicht nur architektonische Details, sondern vermitteln auch die Atmosphäre jener Orte, an denen deutsche Gemeinden über Generationen hinweg lebten und arbeiteten. Die beteiligten Künstler, Nachfahren russischer Deutscher aus ganz Russland, reisten dafür in die Wolgaregion und ließen sich von Landschaft, Licht und Erinnerungen inspirieren. Organisiert wurde das Projekt vom Internationalen Deutschen Kulturverband. Die Ausstellung vereint unterschiedliche künstlerische Handschriften und persönliche Zugänge zur Vergangenheit. Zur Eröffnung erschienen zahlreiche Gäste, darunter Kulturschaffende, Organisatoren und Kunstinteressierte.
Quelle: rusdeutsch.ru
Millionen für deutsches Schulwesen
Viel Geld nahm die ungarische Regierung im letzten Jahr für das deutsche Schulwesen in die Hand. Wie nun bekanntgegeben wurde, waren die Investitionen in die deutsche Bildung 2025 bemerkenswert. Mit einem Gesamtvolumen von rund 163 Milliarden Forint, umgerechnet etwa 423 Millionen Euro, floss eine Rekordsumme in die Förderung der deutschen Minderheit im Bildungsbereich. Dies teilte Miklós Soltész, Staatssekretär für kirchliche und nationale Angelegenheiten, bei einem offiziellen Termin in Pilisvörösvár mit. Anlass war die feierliche Wiedereröffnung des umfassend modernisierten Friedrich-Schiller-Gymnasiums samt angeschlossenem Schülerwohnheim.
Miklós Soltész. Foto: Thaler Tamas/Wikimedia Commons.Soltész unterstrich dabei die besondere Rolle der deutschsprachigen Bildung, die seit Jahren ein fester Bestandteil des ungarischen Schulsystems sei. Landesweit besuchen derzeit mehr als 20.000 Schülerinnen und Schüler über 500 Bildungseinrichtungen mit deutschem Profil. Ein erheblicher Teil davon – 77 Schulen – wird direkt von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen oder lokalen Minderheitenorganisationen getragen. Auch konkrete Zahlen aus Pilisvörösvár verdeutlichen das Ausmaß der Förderung. Nach Angaben des regionalen Fidesz-Abgeordneten Tamás Menczer wurden allein dort rund 100 Millionen Forint in die Sanierung von Gymnasium und Internat investiert.
Quelle: ungarnheute.hu
Chef der Deutschen – nur vorübergehend?
Eine interessante Aussage tätigte unlängst der neu gewählte Präsident der Landesversammlung der Deutschen in Tschechien, Richard Neugebauer. Demnach will er nicht lange in seinem Amt verweilen. Der neue Amtsinhaber machte deutlich, dass er die Präsidentschaft lediglich als Übergangslösung versteht und von Beginn an zeitlich begrenzt plant. Neugebauer, der bereits den Schlesisch-Deutschen Verein in Troppau leitet und zugleich an der Spitze der Wirtschaftsstiftung der deutschen Minderheit Bohemia Troppau steht, sieht seine vielfältigen Aufgaben langfristig als kaum vereinbar mit dem Präsidentenposten. Er betont offen, dass klassische Ehrenämter nicht seiner Arbeitsweise entsprechen. Statt repräsentativer Auftritte sehe er seine Stärke eher im Management schwieriger Situationen und in der Analyse bestehender Strukturen. Spätestens zur Jahresmitte wolle er das Amt wieder abgeben, auch wenn viele diese Ankündigung noch für einen Scherz hielten. Für Neugebauer ist der zeitlich begrenzte Einsatz jedoch bewusst gewählt: Ohne Blick auf eine Wiederwahl wolle er Abläufe kritisch prüfen und effizienter gestalten. Gleichzeitig möchte er die Verantwortung stärker auf mehrere Schultern verteilen und die Einbindung der Vizepräsidenten ausbauen.
Quelle: landesecho.cz
Ukrainedeutsche mit grüner Energie
Förderung und Umweltschutz zugleich wurden unlängst bei einem Projekt für die Deutschen in der Ukraine vereint. Dabei hat man auf dem Dach eines Begegnungszentrums Solarzellen installiert. Konkret handelt es sich um das Deutsche Haus in Mukatschewo in der Westukraine, das damit einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit gegangen ist. Die Arbeiten an der Photovoltaikanlage wurden bis Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen und versorgen das Gebäude nun mit Strom aus erneuerbaren Quellen. Für die deutsche Minderheit vor Ort hat das Projekt eine besondere Bedeutung. In einer Region, die immer wieder von Stromausfällen betroffen ist – nicht zuletzt infolge des anhaltenden russischen Angriffskrieges – schafft die eigene Energieversorgung ein Stück Sicherheit und Unabhängigkeit. Veranstaltungen, Beratungen und Begegnungen können so auch dann stattfinden, wenn die öffentliche Stromversorgung eingeschränkt ist. Gleichzeitig setzt das Projekt ein deutliches Zeichen für Nachhaltigkeit und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Die Nutzung von Sonnenenergie reduziert nicht nur Kosten, sondern stärkt auch das Umweltbewusstsein innerhalb der Gemeinschaft. Initiiert wurde das Vorhaben im Rahmen von Gesprächen und Besuchen der stellvertretenden Bürgermeisterin von Mukatschewo und Vorsitzenden der Deutschen Jugend in Transkarpatien, Julia Taips, in Bayreuth.
Quelle: stiftung-verbundenheit.de












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