Gasspeicher sinken auf historisches Tief: Industrie warnt vor Engpässen

upday.com 15 godzin temu
In Deutschland herrschen frostige Temperaturen. Sina Schuldt/dpa

Deutschlands Gasspeicher sind auf ein historisches Tief gesunken. Trotz streng kalten Winters und einem Füllstand von unter 52 Prozent sehen Bundesnetzagentur und Bundeswirtschaftsministerium die Versorgung als gesichert an. Die Industrie warnt jedoch vor Engpässen und fordert eine strategische Gasreserve.

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern, stellt fest: «Mit einem Füllstand von aktuell unter 52 Prozent verlaufen die Gasspeicherfüllstände auf einem historischen Tief.» Mitte November lagen die Speicher noch bei 75 Prozent. Normalerweise würde man Anfang des Jahres mit rund 77 Prozent Füllstand rechnen.

Deutlich kältere Temperaturen prägen den Januar im Vergleich zum Dezember. Heinermann erklärt: «Im Vergleich zum Dezember ist der Januar von deutlich kälteren Temperaturen geprägt, weshalb derzeit in großem Umfang ausgespeichert wird.» Timm Kehler, Vorstand des Verbands Gas- und Wasserstoffwirtschaft, bestätigt: «Die aktuellen Füllstände der Gasspeicher liegen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.»

Behörden sehen Versorgung gesichert

Die Bundesnetzagentur gibt Entwarnung. Die Behörde erklärt: «Deutschland verfügt über ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten.» Sie führt weiter aus: «Diese Stabilität ist darauf zurückzuführen, dass es am Weltmarkt ausreichend Gas gibt, das unter anderem über die LNG-Terminals importiert werden kann. Insofern gehen wir aktuell von einer gesicherten Gasversorgung aus.»

Das Bundeswirtschaftsministerium teilt diese Einschätzung. Eine Sprecherin von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) verweist auf die Infrastruktur: «Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland.» Die LNG-Terminals an Nord- und Ostsee können zwischen November und März etwa 16 Prozent des Bedarfs decken. Das entspricht 32 Prozent der deutschen Erdgas-Speicherkapazität.

Industrie warnt vor Engpässen

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des Oldenburger Energieversorgers EWE, sieht die Lage kritischer: «Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war.» Damals stand Deutschland am Beginn der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt stark von russischem Gas abhängig.

Sollten die Speicher sich im gleichen Tempo weiter leeren, würde der Füllstand Ende März nur noch bei fünf Prozent liegen. Dohler kommentiert: «Das wäre ziemlich wenig.» Eine Sprecherin des Energiekonzerns Uniper warnt: «Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist aktuell gewährleistet, aber nicht garantiert.» Bei einem langen, kalten Winter oder geopolitischen Störungen könnten bei niedrigen Speicherfüllständen Engpässe entstehen.

Kritik an Marktmechanismen

Dohler kritisiert die politischen Instrumente scharf: «Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren. Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen.» Uniper nennt fehlende wirtschaftliche Anreize als Grund dafür, dass Händler viele Speicher nur teilweise buchen.

Der Markt soll eigentlich die Befüllung der Gasspeicher regeln. Gashändler kaufen normalerweise im Sommer günstig ein und verkaufen im Winter bei höherer Nachfrage gewinnbringend. Hohe Sommerpreise schmälern jedoch die Wirtschaftlichkeit. Eine Sprecherin von Ministerin Reiche erklärt: «Das führt dazu, dass Gasspeicher relativ gesehen an Attraktivität verloren haben zur Sicherstellung der Gasversorgungssicherheit.»

Forderung nach strategischer Reserve

Dohler schlägt eine nationale, strategische Gasreserve vor – ähnlich der bestehenden Ölreserve oder dem Modell Österreichs. Er erläutert das Konzept: «Dort wird bewusst Gas als Puffer eingespeichert, was nicht angetastet wird, und nur für Notfälle zur Verfügung stehen sollte.» Der EWE-Chef fordert: «Es wäre gut, jetzt darüber zu sprechen, welche Instrumente es gibt, die einerseits den Markt halten, andererseits aber auch ausreichende Sicherheit schaffen für besondere Ereignisse. Das sollte jetzt in diesem Jahr passieren.»

Uniper hat bei der Bundesnetzagentur beantragt, eine Speicheranlage in Bayern ab Frühjahr 2027 stillzulegen. Ein wirtschaftlich rentabler Betrieb sei unter den derzeitigen Bedingungen langfristig nicht darstellbar. Die Genehmigung setzt voraus, dass dies die Versorgungssicherheit nicht negativ beeinträchtigt.

Im Gegensatz zur Energiekrise 2022 musste der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe bislang nicht eingreifen. Damals hatte er Speicher befüllen müssen – auf Kosten der Gaskunden oder der deutschen Steuerzahler.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

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