Das Versagen
Am 6. Januar 2026 jährte sich zum 25. Mal der private Besuch des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit seiner Frau in Russland. Das Kanzlerpaar verbrachte ein orthodoxes Weihnachtsfest zusammen mit dem Ehepaar Putin. An diesem Tag wurde der Welt ein neues Kapitel in den deutsch-russischen Beziehungen enthüllt. Ein Buch der renommierten Journalisten Katja Gloger und Georg Mascolo, das auf gründlicher Recherche und der Auswertung freigegebener Archive basiert, erschien in Deutschland.
Eine besondere Stärke des Buches liegt in den Interviews mit Augenzeugen. Das Buch, das in Deutschland bereits ein Bestseller ist, erschien unter dem vieldeutigen Titel „Das Versagen“. Katja Gloger und Georg Mascolo liefern eine umfassende Darstellung der deutschen Russlandpolitik. „Das Versagen“ liest sich fesselnd – trotz zahlreicher Fußnoten und Verweise auf unbekannte Quellen und Fakten.
Książka Katji Gloger i Georga Mascolo jest efektem wnikliwego śledztwa oraz kwerendy w odtajnionych archiwach.Foto: www.amazon.pl
Deutschlands Russlandpolitik ist hochkomplex, und aus heutiger Sicht zeigt sich, dass manche Politiker mit ihrer Weitsicht beeindruckten, während andere durch ihre Blindheit oder reine Kalkulation verblüfften. Ich war überrascht, dass am 17. Februar 1993 eine Sitzung der Bundesregierung stattfand, in der Außenminister Klaus Kinkel die Ergebnisse von Gesprächen mit ukrainischen Politikern mitteilte und von „regelrechter Angst“ sprach, die seit Anfang der 1990er-Jahre in der Ukraine herrsche. Er sagte damals, Kiew diskutiere nur eine Option: eine „vollwertige NATO-Mitgliedschaft“.
Die Aktivitäten deutscher Diplomaten und der Bericht von Klaus Kinkel standen im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für den Besuch des deutschen Bundeskanzlers in der Ukraine im Juni 1993. Helmut Kohl war der erste westliche Staatschef, der nach dem siegreichen Unabhängigkeitsreferendum einen offiziellen Besuch in der Ukraine abstattete.
Deutschlands Russlandpolitik ist hochkomplex, und aus heutiger Sicht zeigt sich, dass manche Politiker mit ihrer Weitsicht beeindruckten, während andere durch ihre Blindheit oder reine Kalkulation verblüfften.
Die Russlandpolitik und die Beziehungen zur Ukraine waren ein Schwerpunkt der Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Weitsicht damaliger Diplomaten und ihre Schlussfolgerungen überraschen noch heute. Knapp drei Monate nach diesem Treffen erstellte der Planungsstab des Auswärtigen Amtes ein Grundsatzpapier mit dem Titel „Ukraine: Einige Bemerkungen“. Darin wiesen Experten und Wissenschaftler dieses wichtigen Beratungsgremiums des deutschen Außenministers darauf hin, dass die Sicherheitsprobleme der Ukraine „potenziell zu den destabilisierendsten in Europa gehören. Eine Annäherung zwischen dem Westen und Kiew darf nicht allein ein Nebenprodukt der westlichen Politik gegenüber Moskau sein.“ Man bedenke, dass dieses Dokument fast 30 Jahre vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine verfasst wurde.
Die Investigativ-Journalisten Georg Mascolo und Katja GlogerFoto: Jana Edisonga
Das kollektive Gedächtnis erinnert sich noch lebhaft an Präsident Michail Gorbatschow, der am Morgen des 13. Juni 1989 auf dem Balkon des Bonner Rathauses einen kleinen Jungen in die Arme hob, während die Menge „Gorbi, Gorbi“ skandierte. Der Begründer der Perestroika gewann mit seiner Vision die Herzen der Deutschen und ebnete den Weg zur deutschen Wiedervereinigung. Unvergessen bleibt auch das Bild Wladimir Putins am Rednerpult des Bundestages am 25. September 2001, als er sagte: „Der stabile Frieden auf dem Kontinent ist das Hauptziel.“ Bezeichnenderweise wählte der Präsident der Russischen Föderation Berlin als Ziel seiner ersten Auslandsreise nach seinem Amtsantritt.









