Maduro gefangen, Trump will Öl-Kontrolle: Preise fallen trotzdem

upday.com 1 dzień temu
Trump kündigt Ölkauf an. Evan Vucci/AP/dpa

US-Spezialeinheiten nahmen am Wochenende den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen – doch die Ölmärkte reagierten überraschend gelassen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, die USA würden Venezuela mit seinen weltgrößten Ölreserven kontrollieren – doch die Preise fielen am Montag sogar leicht. Die Nordseesorte Brent sank um 0,4 Prozent auf 60,54 Dollar pro Barrel, die US-Sorte WTI um 0,5 Prozent auf 57,04 Dollar. Analysten führen die verhaltene Reaktion auf ein massives globales Überangebot zurück.

Die Internationale Energieagentur prognostiziert für das laufende Jahr ein Überangebot von rund vier Millionen Barrel pro Tag. Venezuelas aktuelle Produktion von etwa 1,1 Millionen Barrel täglich macht weniger als ein Prozent der weltweiten Förderung aus. «Obwohl es sich um ein gewaltiges geopolitisches Ereignis handelt, ist immer noch zu viel Öl auf dem Markt, und deshalb werden die Ölpreise nicht explodieren», erklärte Arne Lohmann Rasmussen, Chef-Analyst bei A/S Global Risk Management.

Ganz anders reagierten US-Energieaktien. Der mögliche Zugang zu Venezuelas Ölreserven ließ die Kurse deutlich steigen: Chevron legte um 5,1 Prozent zu, die Öldienstleister Halliburton und SLB um jeweils über sieben Prozent. ConocoPhillips gewann 5,9 Prozent. Trump erklärte, die USA benötigten «totalen Zugang» zu Venezuelas Ölvorkommen.

Größte Reserven, marode Infrastruktur

Venezuela verfügt über die weltweit größten bekannten Ölreserven – 303 Milliarden Barrel, etwa 17 Prozent der globalen Vorkommen. Doch die Produktion ist dramatisch eingebrochen: Von 3,5 Millionen Barrel täglich in den Siebzigerjahren auf heute rund 1,1 Millionen. Jahrelange Misswirtschaft, Korruption und US-Sanktionen haben die Infrastruktur verfallen lassen. Der Großteil der Reserven besteht aus schwerem, schwefelhaltigem Öl aus dem Orinoco-Gürtel – aufwendig zu fördern und zu verarbeiten.

Experten dämpfen die Erwartungen einer schnellen Produktionssteigerung. Thomas Benedix von Union Investment betont: «Es kann sein, dass ein bisschen mehr Öl gepumpt wird, aber zunächst müsste investiert werden, und das dauert.» Rohstoffmarktexperte Leon Ferdinand Bost vom Bankhaus Metzler warnt vor hohen Risiken: «Man hat dort früher Enteignungen erlebt, das könnte auch erneut passieren, je nach politischer Entwicklung.» Für eine signifikante Produktionssteigerung bräuchte die Industrie Investitionen von bis zu 100 Milliarden Dollar – über einen Zeitraum von möglicherweise zehn Jahren.

Trump kündigt direkte Öllieferungen an

Trump kündigte am Dienstag auf Truth Social an, «Übergangsbehörden» würden 30 bis 50 Millionen Barrel venezolanisches Öl an die USA verkaufen. «Dieses Öl wird zu seinem Marktpreis verkauft, und das Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird», schrieb er. Energieminister Chris Wright erhielt die Anweisung zur «sofortigen» Umsetzung.

Laut Reuters verhandeln die USA und Venezuela bereits über die Wiederaufnahme von Ölexporten an US-Raffinerien. Eine Quelle aus der Ölindustrie sagte der Nachrichtenagentur: «Trump will, dass dies früh geschieht, damit er es als großen Sieg verkaufen kann.» Venezuela leitet die Lieferungen von China in die USA um. Chevron ist derzeit das einzige US-Unternehmen, das mit einer Sondergenehmigung in Venezuela Öl fördert und kontrolliert rund ein Drittel der Produktion.

Geopolitische Strategie hinter den Plänen

Analysten sehen hinter Trumps Vorstoß vor allem geopolitische Motive. Außenminister Marco Rubio erklärte gegenüber NBC: «Sie können nicht weiterhin die größten Ölreserven der Welt unter der Kontrolle von Gegnern der Vereinigten Staaten belassen, ohne dass die Bevölkerung dieses Landes davon profitiert.» Experten rechnen damit, dass erhöhte venezolanische Ölproduktion mittelfristig die globalen Preise drücken könnte – ein Schlag für Russland, dessen Haushalt von hohen Ölpreisen abhängt.

Doch selbst optimistische Szenarien sehen frühestens Anfang der Dreißigerjahre eine Verdopplung der venezolanischen Produktion auf zwei Millionen Barrel täglich. Norbert Rücker von Julius Bär bilanziert: «Wir glauben, dass diese Ereignisse nur minimale kurzfristige Versorgungsrisiken darstellen und daher kaum Chancen für einen bedeutenden Anstieg des Ölpreises bieten.» Am Sonntag bestätigte das Opec-plus-Kartell, seine Fördermenge nicht zu kürzen.

Die größte Hürde bleibt die Bereitschaft der Ölkonzerne zu investieren. Bei aktuellen Preisen um 60 Dollar pro Barrel und politischer Unsicherheit zögern selbst die großen US-Firmen. Metzler-Experte Bost fasst zusammen: «Aber den globalen Ölpreis wird das kaum beeinflussen, das Angebot ist groß, der Preis dürfte so oder so weiter fallen.»

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

Idź do oryginalnego materiału