Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Freitagabend seinen Stabschef Andrij Jermak entlassen. Die Entscheidung fiel nur Stunden nach einer Durchsuchung von Jermaks Wohnung durch Antikorruptionsbehörden. Der Rücktritt erfolgt in der wohl heikelsten politischen Lage der Ukraine seit Kriegsbeginn - mitten in laufenden Friedensverhandlungen mit den USA.
Jermak galt als zweitmächtigster Mann im Land und führte die ukrainische Delegation bei den Gesprächen mit Washington. Am Freitagmorgen hatten das nationale Antikorruptionsbüro und die spezialisierte Antikorruptions-Staatsanwaltschaft seine Wohnung im Präsidentenkomplex in Kiew durchsucht. Der Hintergrund: ein mutmaßliches Bestechungssystem beim staatlichen Atomkonzern Energoatom im Umfang von rund 87 Millionen Euro.
Selenskyj sprach vor dem Präsidentenpalast, bevor er das Entlassungsdekret unterzeichnete. Er lobte Jermak dafür, «die ukrainische Position in den Verhandlungen stets so vertreten zu haben, wie es sein sollte». Gleichzeitig fügte er hinzu: «Ich möchte keine Gerüchte oder Spekulationen.» Bereits zwei Minister - der Energie- und der Justizminister - waren zuvor in Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal zurückgetreten.
Kritischer Zeitpunkt für Friedensgespräche
Die Entlassung Jermaks trifft die Ukraine zu einem denkbar ungünstigen Moment. Selenskyj hatte angekündigt: «Nächste Woche stehen wichtige Verhandlungen an.» Die USA und die Ukraine arbeiten an einem Rahmenwerk zur Beendigung des Krieges. Am kommenden Wochenende sollten die Gespräche fortgesetzt werden.
Der politische Analyst Oleh Saakyan sagte der Deutschen Welle, Jermaks Rücktritt werde die Verhandlungen mit Washington «zweifellos» beeinflussen. Jermak verfüge über umfassende Kontakte und Expertise.
Der politische Wissenschaftler Jewhen Machda bewertet die Situation anders: «Jermaks Ablösung wird die Gespräche eher erleichtern.» Laut einem Bericht des US-Mediums «Politico» vom Juni galt Jermak in Washington als schlecht informiert über US-Politik und schroff gegenüber amerikanischen Beamten.
Innerhalb von Selenskyjs eigener Partei «Diener des Volkes» lehnten Abgeordnete Jermak ab. Fraktionschef Dawyd Arachamia und andere Abgeordnete sahen in ihm einen machthungrigen Politiker. Die politische Opposition und Teile der Bevölkerung forderten seinen Rücktritt. Machda bezeichnete Jermak als «Blitzableiter» für Selenskyj.
Angriff auf Kiew fordert Todesopfer
Parallel erschütterte ein russischer Raketen- und Drohnenangriff am frühen Samstagmorgen die Hauptstadt Kiew. Der Angriff tötete eine Person und verletzte mindestens sieben weitere, darunter ein Kind. Rettungskräfte brachten vier Verletzte ins Krankenhaus. Der Angriff beschädigte Wohngebäude und Autos.
Der Gouverneur der Region Kiew, Mykola Kalaschnik, erklärte: «Der Feind greift die Region Kiew massiv mit Raketen und Drohnen an. Wohngebiete und Häuser der Menschen stehen unter Beschuss.»
Orbán plädiert für Ukraine als Pufferstaat
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán besuchte am Freitag den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Orbán, der seit etwa zehn Jahren gute Kontakte zu Putin pflegt, erneuerte seine Forderung nach einer umstrittenen Lösung: «Die einzige Lösung besteht darin, dass die Ukraine wieder zum Pufferstaat wird», sagte er.
Orbán schlug vor: «Nato und Russland einigen sich auf Umfang und Ausstattung der begrenzten ukrainischen Streitkräfte, die in der Pufferzone operieren dürfen, und beide Seiten geben Garantien ab, dass niemand diesen Pufferstaat unter seine eigene Autorität stellt.» Seine Positionen ähneln häufig denen des Kremls. Im Juli 2024 hatte Orbán Putin bereits als «Friedensmission» besucht - wenige Tage nach seinem ersten Kiew-Besuch seit Kriegsbeginn.
Putin bestätigte am Freitag bevorstehende Gespräche mit US-Vertretern in Moskau für die erste Hälfte der kommenden Woche. US-Präsident Donald Trumps Berater Steve Witkoff wird in Moskau erwartet. Putin erklärte, ein Friedensplan der USA und der Ukraine könne als Basis für ein Abkommen dienen, forderte aber als Vorbedingung die vollständige Kontrolle über den Donbass - konkret den Abzug ukrainischer Truppen aus Donezk und Luhansk.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.









