Deutschland und Dänemark haben beim dritten Nordseegipfel in Hamburg ein Kooperationsabkommen für das "Bornholm Energy Island"-Projekt unterzeichnet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verkündeten die Einigung am Montagabend. Das weltweit größte grenzüberschreitende Energiewendeprojekt sieht den Bau einer künstlichen Insel nahe der Ostseeinsel Bornholm vor, die Offshore-Windstrom transformieren und zwischen beiden Ländern verteilen soll. Zugleich soll die Anlage Wasserstoff für Deutschland produzieren.
Das Projekt hat einen fundamentalen Wandel vollzogen. Was ursprünglich als Klimaschutzinitiative geplant war, ist zu einem sicherheitspolitischen Vorhaben für europäische Energieautonomie geworden. Als Auslöser gilt die neue geopolitische Lage unter US-Präsident Donald Trump, dessen demonstrierte Bereitschaft zu territorialer Expansion gegen das Völkerrecht und auf Kosten von Verbündeten das Projekt verändert hat. Ein dänischer Beobachter des Nordseegipfels stellte fest: «Ohne den Politikwechsel in Washington wäre es mit dem Bornholm-Projekt nicht weitergegangen.»
Die künstliche Insel wird große Umspannwerke beherbergen, die Strom aus zukünftigen Offshore-Windparks transformieren. Insgesamt sollen drei Gigawatt ins europäische Stromnetz eingespeist werden - zwei Gigawatt nach Deutschland, 1,2 Gigawatt aufs dänische Festland. Die EU-Kommission hat "Bornholm Energy Island" als eine von acht zentralen "Energieautobahnen" eingestuft.
Sieben Milliarden für Europas Unabhängigkeit
Das Vorhaben kostet rund sieben Milliarden Euro und ist damit Dänemarks teuerstes Projekt überhaupt. Die EU fördert den dänischen Teil mit 645 Millionen Euro. Für die technische Umsetzung werden vier Konverterstationen benötigt - eine in Dänemark, eine in Deutschland nahe Greifswald und zwei auf Bornholm. Als Technologieanbieter sind Siemens Energy für die Großtechnik und das dänische Unternehmen NKT für die Kabel vorgesehen.
Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) und ihr dänischer Amtskollege Lars Aagaard einigten sich zudem auf eine gemeinsame Finanzierung der Windparks. Ein Teil des Stroms wird in Elektrolyseuren in Wasserstoff umgewandelt, der über eine Unterwasser-Pipeline nach Deutschland transportiert werden soll.
Durchbruch nach Jahren des Stillstands
Die Pläne für Energie-Inseln waren mehrere Jahre alt und wurden wiederholt verschoben. Offshore-Windkraft war durch schwankende Strompreise und steigende Materialkosten zu teuer geworden, Investoren blieben aus. Ursprünglich waren zwei Energie-Inseln geplant - eine in der Ostsee, eine in der Nordsee für Belgien.
Die Bundesregierung rechtfertigte die Kooperation mit den Worten: «Das grenzüberschreitende Projekt erhöht die Energieautonomie Europas, treibt Innovationen voran und stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen Herausforderungen.» Frederiksen betonte die grundsätzliche Dimension: «Es geht um unsere demokratischen Prinzipien, um unsere Integrität und darum, wer wir sind.»
Merz begrüßte das Projekt auf der Nordseekonferenz, «weil wir ein größeres Stromangebot brauchen, um die Preise runterzubringen». Er differenzierte zwischen Onshore- und Offshore-Windkraft und hob die Effizienz sowie minimale Landschaftsbeeinträchtigung von Windparks auf See hervor. Allerdings bekräftigte er seine Einschätzung, Windkraft sei eine «Übergangstechnologie» für einige Jahrzehnte, bis Energie aus Fusionsreaktoren verfügbar werde.
Stefan Kapferer, Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz, würdigte nach der Unterzeichnung in Hamburg die weitreichende Bedeutung: «Die Vereinbarung zwischen Deutschland und Dänemark hat über das Ostsee-Projekt Bornholm Energy Island hinaus eine Signalwirkung für die Offshore-Industrie in ganz Europa.» Er ergänzte: «Beide Länder betreten regulatorisch Neuland und leisten damit Pionierarbeit.»
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.








