Deutsch-Polnisches Barometer 2025 – Teil 2

wochenblatt.pl 15 godzin temu
Zdjęcie: Das Deutsch-Polnische Barometer untersucht seit 25 Jahren regelmäßig die gegenseitige Wahrnehmung beider Nationen. Quelle: Deutsches Polen-Institut


Wie Politik die deutsch-polnischen Beziehungen prägt?

Wie sich die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen gestalten und welche Schlüsselfaktoren darauf Einfluss haben, haben wir im ersten Teil des Artikels beleuchtet. Nun blicken wir auf die Wahrnehmung der aktuellen Politik. Ihre Expertise steuert erneut Agnieszka Łada-Konefał bei, die gemeinsam mit Jacek Kucharczyk die Studie „Deutsch-Polnisches Barometer“ durchführt.

Europapolitik

Die gegenseitige Wahrnehmung der Europapolitik ist 2025 von Skepsis und einem deutlichen Vertrauensverlust geprägt. In Polen sind die Meinungen über Deutschlands Rolle in Europa nahezu ausgeglichen: 35 % sehen Deutschland als Motor der europäischen Zusammenarbeit, während 32 % ihm vorwerfen, Konflikte und Spannungen zu verschärfen. Damit erreicht die Bewertung der deutschen Europapolitik den schlechtesten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2005. In Deutschland zeigt sich ein ähnlicher Trend gegenüber Polen: Nur 33 % bewerten die polnische Europapolitik positiv, während 31 % sie negativ einschätzen. Etwa ein Drittel der Deutschen ist der Meinung, dass Polen zu Streitigkeiten in Europa beiträgt, ein nur leicht größerer Teil sieht es als konstruktiven Akteur.

Agnieszka Łada-Konefał Foto: Andrea Polanski

Auffällig ist zudem der hohe Anteil Unentschlossener in Deutschland, der erstmals größer ist als der Anteil klar positiver oder negativer Bewertungen. In beiden Ländern beeinflussen politische Präferenzen die Wahrnehmung stark: Anhänger der jeweiligen Regierungsparteien beurteilen die Europapolitik des Nachbarlandes deutlich positiver als Oppositionswähler. Insgesamt zeigt sich ein paralleler Prozess der gegenseitigen Desillusionierung, bei dem sich positive, negative und neutrale Einschätzungen auf beiden Seiten jeweils bei rund einem Drittel einpendeln.

Das Deutsch-Polnische Barometer untersucht seit 25 Jahren regelmäßig die gegenseitige Wahrnehmung beider Nationen.
Quelle: Deutsches Polen-Institut

„Die Polen stehen vor allem der deutschen Energie- und Migrationspolitik kritisch gegenüber und betrachten sie als sehr egoistisch und unverständlich“, erklärt Agnieszka Łada-Konefał. „Entscheidend ist derzeit jedoch die negative Bewertung der deutschen Haltung gegenüber Russland – die Polen weisen seit Jahren darauf hin, dass man Russland nicht vertrauen und nicht als zuverlässigen Partner betrachten darf. Die Deutschen sind enttäuscht, dass sich die polnische Politik nach dem Regierungswechsel 2023 kaum verändert hat.“

Grenzkontrollen

Die von Merz und Tusk eingeführten Grenzkontrollen führten zu Spannungen auf beiden Seiten der Oder. Diese kontroversen Entscheidungen spiegeln sich jedoch nur bedingt in den Ergebnissen des Deutsch-Polnischen Barometers wider, denn in der Bevölkerung stoßen sie auf Zustimmung: Jeweils die Hälfte der polnischen (50 %) und der deutschen (51 %) Bevölkerung unterstützt sowohl polnische als auch deutsche Grenzkontrollen. Auffällig ist dabei, dass die polnische Bevölkerung die Entscheidung der eigenen Regierung deutlich wohlwollender beurteilt als die deutsche Öffentlichkeit ihre Regierung: 70 % der Polinnen und Polen bewerten die polnischen Grenzkontrollen positiv, während dies in Deutschland nur 55 % tun. Umgekehrt zeigen sich die Deutschen deutlich kritischer gegenüber der Entscheidung der polnischen Regierung als die Polen gegenüber der deutschen: 28 % der Deutschen stellen die polnischen Maßnahmen infrage, während in Polen lediglich 12 % die deutschen Grenzkontrollen kritisch sehen. Łada-Konefał sieht darin ein politisches Argument für den Status quo:

„Die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Befragten die Entscheidungen ihrer eigenen und der anderen Regierung unterstützt, gibt den Regierenden ein Argument dafür, die Situation nicht zu ändern – die eingeführten Kontrollen nicht aufzuheben. Umso mehr, als der Druck der Oppositionsparteien, die Ängste vor illegalen Migranten schüren, nach wie vor groß ist.“

Russischer Angriffskrieg auf die Ukraine

Fast vier Jahre ist es nun her, seit Russland die Vollinvasion der Ukraine begann. Seither ist der Krieg dauerhaft präsent in den Medien und Gegenstand intensiver Diskussionen darüber, wie der Ukraine geholfen und Russland zur Verantwortung gezogen werden kann. Deutschland und Polen gehören zu den zentralen europäischen Unterstützern der Ukraine, nehmen dabei jedoch unterschiedliche Rollen ein. Deutschland zeichnet sich vor allem durch umfangreiche finanzielle Hilfen, militärische Großlieferungen, industrielle Kapazitäten und politisches Gewicht innerhalb der EU aus. Polen übernimmt als unmittelbarer Nachbar eine Schlüsselrolle als logistisches Drehkreuz, früher Waffenlieferant und wichtigstes Aufnahmeland für ukrainische Geflüchtete. Gemeinsam prägen beide Länder Europas Ukraine-Politik: Deutschland vor allem strategisch und finanziell, Polen operativ, humanitär und sicherheitspolitisch.

„Trotz historischer Belastungen sieht fast jeder zweite Pole in steigenden deutschen Rüstungsausgaben einen Gewinn für die eigene Sicherheit.”

„Das Thema der Unterstützung für die Ukraine ist für Deutschland und Polen von zentraler Bedeutung“, betont die Autorin der Studie. „Wichtig ist dabei auch die Zusammenarbeit beider Länder – sowohl bilateral als auch im Rahmen der NATO und der EU. Daher interessieren uns die Meinungen beider Gesellschaften zu diesen Fragen. Das Barometer ist eine Umfrage, die nicht nur zeigen soll, wie Deutsche und Polen sich gegenseitig wahrnehmen, sondern auch, wie sie gemeinsame Herausforderungen und die Zukunft sehen. Die Ergebnisse ermöglichen es, die Entscheidungen des Nachbarlandes besser zu verstehen und konstruktiver über gemeinsame Maßnahmen zu sprechen.“

Seit 2022 ist die Zustimmung zu Sanktionen gegen Russland sowie zu Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine in beiden Ländern schrittweise gesunken, in Polen jedoch stärker als in Deutschland. Besonders markant ist der Stimmungswandel bei der Aufnahme ukrainischer Geflüchteter: Aktuell sprechen sich nur noch 45 % der Polinnen und Polen dafür aus, während in Deutschland mit 55 % weiterhin eine knappe Mehrheit zustimmt. Trotz dieser Entwicklungen befürwortet in beiden Ländern nach wie vor eine Mehrheit wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland und den Verzicht auf russische Energieträger, wobei die Zustimmung in Polen weiterhin höher ausfällt als in Deutschland.

Mit der aktuellen sicherheitspolitischen Lage gehen auch veränderte Wahrnehmungen der Verteidigungspolitik einher. Sowohl in Polen als auch in Deutschland ist eine Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass steigende deutsche Rüstungsausgaben zur Sicherheit der Bündnispartner – einschließlich Polens – beitragen. Diese Einschätzung ist in Deutschland mit 59 % deutlich stärker verbreitet als in Polen, wo ihr 48 % zustimmen. Gleichzeitig bleibt in Polen eine gewisse Skepsis gegenüber dem Ausbau des deutschen Militärpotenzials bestehen, was auf das Trauma des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen ist. Vorbehalte finden sich vor allem bei älteren Befragten sowie in den östlichen Woiwodschaften. Trotzdem ist die Zahl derjenigen, die darin einen Gewinn für die eigene Sicherheit sehen, doppelt so hoch wie der Anteil der Kritiker.

„Während die politische Rhetorik die öffentliche Meinung belastet, wirken persönliche Kontakte als entscheidendes Gegengewicht, które die Sympathie für den Nachbarn stärkt.”

Ein gesteigertes Sicherheitsgefühl durch eine stärkere Bundeswehr äußern dagegen häufiger Menschen mit höherem Bildungsniveau sowie Personen, die bereits persönliche Erfahrungen mit Deutschland gemacht haben. In beiden Ländern zeichnet sich ein Trend hin zu einer stärkeren europäischen Verteidigungszusammenarbeit ab. Diese Entwicklung findet in Deutschland breite Unterstützung: 66 % der Befragten befürworten diesen Kurs. In Polen ist es mit 44 % zwar ebenfalls die größte Gruppe, allerdings ist dort der Rückhalt für die Vereinigten Staaten als zentralen Sicherheitsgaranten mit 30 % deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland, wo nur 14 % diese Rolle den USA zuschreiben.

Fazit

Das Deutsch-Polnische Barometer 2025 zeigt, dass die deutsch-polnischen Beziehungen trotz Spannungen und negativer Entwicklungen weiterhin vielschichtig und differenziert wahrgenommen werden. Politische Rhetorik, historische Debatten und internationale Krisen beeinflussen die öffentliche Meinung, persönliche Erfahrungen und Kontakte wirken jedoch ausgleichend und stärken die Sympathie für den Nachbarn. Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich, dass regierungsnahe Bevölkerungsgruppen offen für neue bilaterale und europäische Kooperationen sind, was den Regierungen beider Länder Handlungsspielraum für eine konstruktive Zusammenarbeit bietet.

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