Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat am Dienstag in Berlin die Pläne für ein verpflichtendes Primärarztsystem vorgestellt. Patienten sollen künftig bei den meisten Gesundheitsproblemen zuerst zum Hausarzt gehen, bevor sie einen Facharzt aufsuchen können. Die schwarz-rote Koalition will mit dem System kürzere Wartezeiten erreichen und die Versorgung effizienter gestalten. «Mit den ersten Wirkungen» rechnet Warken ab 2028. Einen ersten Gesetzentwurf will die Ministerin bis zum Sommer vorlegen.
Bei dem ersten Treffen mit Vertretern von Ärzteverbänden und Krankenkassen stellte Warken die Eckpunkte der Reform vor. Künftig soll der Hausarzt zum ersten Ansprechpartner werden. Facharzttermine sollen dann auf drei Wegen möglich sein: durch eine Überweisung vom Hausarzt, nach einer telefonischen Ersteinschätzung oder über eine digitale Ersteinschätzung. Ausnahmen sind für Augenärzte, Gynäkologen, Zahnärzte und Kinderärzte vorgesehen. Auch chronisch Erkrankte können weiterhin direkt zum Spezialisten.
Warken begründete die Reform mit der aktuellen Situation. Die freie Arztwahl führe zu «einer ineffizienten Nutzung unserer begrenzen Ressourcen» und langen Wartezeiten. «Das wollen und werden wir ändern», sagte die Ministerin. Die freie Arztwahl bleibe aber grundsätzlich erhalten. Das System könne allerdings nicht «von heute auf morgen» eingeführt werden, räumte Warken ein.
Gemischte Reaktionen aus der Branche
Der Hausärzteverband begrüßte «den Startschuss für die Umsetzung eines verbindlichen Primärarztsystems». Verbandspräsident Markus Beier kritisierte allerdings die geplante digitale Ersteinschätzung als ersten Kontaktpunkt. «Der Erstkontakt über die vertraute Hausarztpraxis muss in der ambulanten Versorgung der Goldstandard sein», sagte Beier der Rheinischen Post.
Stefanie Stoff-Ahnis, Vizevorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, betonte die Bedeutung digitaler Elemente. Elektronische Ersteinschätzung, elektronische Überweisungen und elektronische Terminvergabe müssten einen «digitaler Versorgungspfad» schaffen.
Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz warf der Regierung vor, bei ihrer «Digitalisierungsoffensive» die praktischen Probleme zu ignorieren. Warken habe keine Antwort «auf die Frage, wie digital unerfahrene Menschen eingebunden werden sollen». Sie dürfe «die praktische Perspektive gerade der betagten und pflegebedürftigen Patienten nicht weiter ausblenden».
Warnung vor Sanktionen
Der Sozialverband VdK unterstützt eine verbesserte Patientensteuerung, warnt aber vor neuen Sanktionen. Präsidentin Verena Bentele stellte klar: «Wer Hilfe sucht, benötigt Hilfe, keine Strafe.» Häufige Arztkontakte seien nicht in erster Linie auf sogenanntes Ärztehopping zurückzuführen.
Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen forderte eine sorgfältige Ausgestaltung der Reform. «Ministerin Warken muss nun liefern», sagte Dahmen. Das System müsse Hausarzt- und Kinderarztpraxen nachhaltig stärken, statt sie zu überlasten.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verzeichnet jährlich 578 Millionen Behandlungsfälle und eine Milliarde Patientenkontakte in den bundesweit 98.500 Praxen. Den Kabinettsbeschluss für das neue System strebt Warken bis Ende des Jahres an.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.










