Evelyn Palla hat ihre ersten 100 Tage als Chefin der Deutschen Bahn absolviert und treibt einen radikalen Konzernumbau voran. Doch für Fahrgäste bleibt spürbare Besserung weiterhin aus: Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist 2025 auf nur noch 60,1 Prozent gesunken – ein neuer Tiefpunkt nach 62,5 Prozent im Vorjahr.
Die seit Oktober amtierende Bahnchefin hat drastische Strukturreformen eingeleitet. Die Bahn streicht rund 30 Prozent der etwa 3.500 Stellen in der Konzernleitung, etwa die Hälfte der 43 Führungspositionen unter dem Vorstand fällt weg. Palla verkleinerte die Vorstände der Töchter DB Regio und DB Fernverkehr, die Chefin der kriselnden Güterverkehrstochter DB Cargo, Sigrid Nikutta, musste ihren Posten räumen.
Palla dezentralisiert den Konzern: Regionale Manager sollen künftig mehr Verantwortung für Verkehrsqualität und Kennzahlen übernehmen. «2026 wird das Jahr des Umbaus», erklärte die Bahnchefin. «In einem bislang nicht gekannten Tempo setzen wir die tiefgreifendsten strukturellen Veränderungen seit der Bahnreform um.» Der Maßstab sei «eindeutig – der Fokus auf unsere Kundinnen und Kunden».
Die harten Zahlen zeigen die Dimension der Krise: 2015 lag die Pünktlichkeit bei ICE und Intercity noch bei 74,4 Prozent. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er maximal sechs Minuten Verspätung hat. Das letzte Quartal 2025 war das unpünktlichste des gesamten Jahres, nur im Dezember gab es leichte Verbesserungen durch weniger Baustellen und zusätzliche Züge.
Milliarden-Investitionen in marodes Netz
Die Bahn begründet die Verzögerungen mit zahlreichen Baustellen im maroden Schienennetz und überlasteten Fernverkehrsknoten. Die Bahn sperrt und saniert bis Mitte der 2030er Jahre über 40 stark befahrene Korridore vollständig. Die Bahn plant für das laufende Jahr rund 23 Milliarden Euro Investitionen ins Netz.
Palla hatte im Herbst angekündigt, die Zahlen stabilisieren zu wollen und peilt bis 2026 mindestens 60 Prozent Pünktlichkeit an. Die Bundesregierung hat als Ziel bis Ende 2029 eine Quote von mindestens 70 Prozent vorgegeben. «Wir können die Schiene nicht von heute auf morgen besser machen», räumte Palla im Dezember ein.
Branche zwischen Lob und Skepsis
Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, lobt Pallas Kurs: «Evelyn Palla hat in den ersten 100 Tagen angepackt und gezeigt, dass sie keine Zeit verliert bei der Neuaufstellung des Konzerns.» Auch Cosima Ingenschay von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft sieht richtige Schwerpunkte: «Nach 100 Tagen lässt sich feststellen, dass Palla mit der Stärkung der Qualität und der Verlagerung von Kompetenzen in die Fläche richtige Schwerpunkte gesetzt hat.»
Kritischer äußert sich Neele Wesseln vom Verband Die Güterbahnen: «Die angekündigte Streichung einiger Managerpositionen im hochdefizitären Konzern ist im politikverwöhnten DB-Koloss vielleicht symbolisch bedeutsam, für Industrie und Reisende zählen aber nur Qualität, Kapazität und Preise.» Wesseln findet Pallas Interviews ähnlich wie die ihres Vorgängers Richard Lutz.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der Palla ins Amt berufen hatte, steht hinter seiner Personalentscheidung: «Die ersten 100 Tage haben gezeigt, dass meine Personalentscheidung für Evelyn Palla richtig war.» Sie sei «die ersten Schritte meiner Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene entschlossen angegangen».
Palla profitiert von finanzieller und politischer Rückendeckung des Bundes durch schuldenfinanzierte Sondermittel. Die Krise zu bewältigen wird dennoch viele Jahre dauern.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.




