Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern ermittelt gegen Täter, die Jugendliche online massiv unter Druck setzen und zu Selbstverletzungen drängen. Zeitgleich beginnt am Freitag in Hamburg der Prozess gegen einen 21-jährigen Deutsch-Iraner - ihm werden 204 Straftaten vorgeworfen, darunter ein vollendeter und fünf versuchte Morde. Die beiden Fälle zeigen das erschreckende Ausmaß von Online-Manipulation junger Menschen.
Das Polizeipräsidium Rostock erhielt am vergangenen Wochenende Meldungen über mehrere aktuelle Fälle im westlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns. Die Zahl der bekannten Opfer liegt im einstelligen Bereich - es sind Mädchen und Jungen im unteren Jugendlichen-Alter betroffen.
Die Täter gehen dabei strategisch vor. Der erste Kontakt erfolgt über Online-Spiele, dann verlagert sich die Kommunikation auf andere Plattformen oder Messenger-Dienste. Dort intensiviert sich der psychische Druck massiv. Das Polizeipräsidium Rostock erklärte: «Durch Beleidigungen, Drohungen, Nötigungen und psychischen Zwang werden die Jugendlichen dazu gedrängt, den Forderungen der Täter nachzukommen.»
Der Hamburg-Prozess
Der 21-Jährige, der unter dem Forum-Namen «White Tiger» agierte, soll eine Gruppe von Cyberkriminellen angeführt haben. Die Anklage wirft ihm vor, zwischen Januar 2021 und September 2023 über 30 Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 15 Jahren aus Deutschland, England, Kanada, den USA und Finnland manipuliert zu haben.
Ein 13-jähriger Junge aus den USA beging laut Anklage auf sein Drängen hin Suizid. Ein 14-jähriges Mädchen aus Kanada unternahm einen Selbstmordversuch. Der Angeklagte soll gezielt besonders verletzliche Kinder über soziale Medien emotional abhängig gemacht und diese Bindung zur Herstellung von Kinder- und Jugendpornografie ausgenutzt haben. Mit der Drohung, das Material zu veröffentlichen, zwang er die Opfer zu immer schwereren Selbstverletzungen in Live-Chats.
Das Landgericht Hamburg hat 82 Verhandlungstage bis Dezember angesetzt. Die Verhandlung findet vor der Jugendkammer der Großen Strafkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - der Angeklagte war während der Tatzeit teilweise noch minderjährig oder Heranwachsender.
Kritik an deutschen Behörden
Die Hamburger Polizei hatte den heute 21-Jährigen bereits 2021 wegen des Verdachts auf Besitz jugendpornografischer Aufnahmen untersucht. Die Ermittlungen wurden nach einer Befragung wegen Geringfügigkeit eingestellt.
Die US-Bundespolizei FBI teilte ihre Ermittlungsergebnisse zu «White Tiger» erst 2023 mit deutschen Behörden. Ein ehemaliger FBI-Ermittler informierte im Februar 2023 das Landeskriminalamt Hamburg über die Identität des damals 17-Jährigen und kritisierte später, die deutschen Behörden hätten es versäumt, den Verdächtigen rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte das Treffen und erklärte, man habe direkt im Anschluss Ermittlungen eingeleitet - zunächst nur wegen des Verdachts auf Kinderpornografie, da die FBI-Unterlagen zunächst keinen ausreichenden Tatverdacht für Mord oder versuchten Mord für verdeckte Ermittlungen lieferten.
Schwere Folgen für Opfer
Die Polizei warnt vor den gravierenden Auswirkungen auf die Betroffenen. Das Polizeipräsidium Rostock stellte klar: «Neben den selbst zugefügten körperlichen Verletzungen erleiden die Betroffenen oftmals erhebliche psychische Belastungen.» Die Ermittler betonen: «Das gezielte Drängen zu Selbstverletzungen stellt eine Straftat dar und wird konsequent verfolgt.»
Die Polizei appelliert eindringlich an Eltern, aufmerksam zu sein und regelmäßig mit ihren Kindern über Online-Aktivitäten und Kontakte zu sprechen. «Warnsignale - insbesondere Verletzungen oder auffällige Verhaltensänderungen - sollten unbedingt ernst genommen werden», so die Ermittler. «Eine frühzeitige Anzeige kann helfen, weitere Taten zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.»
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.




