Die Europäische Union und Indien haben sich auf eine umfassende Freihandelszone geeinigt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi verkündeten den Abschluss der Verhandlungen in Neu-Delhi. Das Abkommen schafft einen gemeinsamen Markt von zwei Milliarden Menschen und soll unwillkommene Abhängigkeiten von anderen Staaten reduzieren – ein Schritt mit geopolitischem Gewicht angesichts aggressiver US-Zollpolitik und Chinas wachsender Machtambitionen.
Von der Leyen betonte die Bedeutung der Einigung: «Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt.» Beide Seiten repräsentieren zusammen knapp ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und der Weltbevölkerung.
Massive Zollsenkungen geplant
Das Abkommen sieht weitreichende Handelserleichterungen vor. Indiens Zölle auf EU-Fahrzeuge – derzeit bis zu 110 Prozent – sollen schrittweise auf zehn Prozent für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr gesenkt werden. Zölle auf Autoteile entfallen nach fünf bis zehn Jahren komplett.
Auch andere Branchen profitieren: Zölle auf Maschinen (bis zu 44 Prozent), Chemikalien (bis zu 22 Prozent) und Pharmazeutika (bis zu elf Prozent) werden größtenteils abgebaut. Bei Wein sinken die indischen Abgaben von aktuell über 100 Prozent auf 75 Prozent beim Inkrafttreten, später weiter auf 20 Prozent.
Schutz für europäische Landwirtschaft
Anders als beim umstrittenen Mercosur-Abkommen sind große Proteste europäischer Landwirte nicht zu erwarten. Die EU-Kommission stellte klar: «Empfindliche europäische Agrarsektoren werden vollständig geschützt, da Produkte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Reis und Zucker von der Liberalisierung im Rahmen des Abkommens ausgenommen sind.»
Gleichzeitig entstehen neue Chancen für europäische Bauern in Indien. Zölle auf verarbeitete Agrarprodukte wie Brot und Süßwaren – derzeit bis zu 50 Prozent – fallen komplett weg.
Wirtschaftliche Erwartungen
Die EU rechnet damit, dass sich ihre Exporte nach Indien bis 2032 verdoppeln. Jährlich sollen rund vier Milliarden Euro an Zöllen auf europäische Produkte eingespart werden. Mehr als 6.000 europäische Unternehmen sind bereits in Indien aktiv.
Der Handel zwischen beiden Regionen ist in den vergangenen zehn Jahren um fast 90 Prozent gewachsen. Allerdings macht der EU-Indien-Handel aktuell nur rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Warenhandels aus – deutlich weniger als die knapp 15 Prozent mit China. Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien liegt bei fast 50 Milliarden US-Dollar.
Signal gegen Protektionismus
Die Einigung gewinnt zusätzliche Bedeutung durch die unberechenbare Handelspolitik der USA. US-Präsident Donald Trump hat 50-prozentige Zölle auf indische Produkte verhängt, teilweise wegen Indiens Handelsbeziehungen mit Russland. Indien bezieht einen Großteil seines Öls und Gases aus Russland.
Von der Leyen hatte bereits letzte Woche die Stoßrichtung vorgegeben: «Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle. Für Partnerschaft statt Isolation.» Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Mitte Januar für einen Abschluss der Verhandlungen geworben.
Die Unterzeichnung wird noch Zeit brauchen. Das Abkommen muss rechtlich geprüft, in alle EU-Amtssprachen übersetzt und von den Mitgliedstaaten sowie dem Europäischen Parlament gebilligt werden. Frühere Verhandlungen zwischen 2007 und 2013 waren gescheitert – erst 2022 wurden die Gespräche wieder aufgenommen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.







