Unbekannte haben am Wochenende das Synagogen-Mahnmal in Kiel verwüstet und dabei Kerzen, Blumen und andere Gedenkgegenstände auf dem Gehweg verteilt und zertreten. Der Vorfall nur wenige Tage vor dem Holocaustgedenktag am Mittwoch löste scharfe Verurteilungen aus und befeuert die Debatte über zunehmenden Antisemitismus in Deutschland.
Die schleswig-holsteinische Landtagspräsidentin Kristina Herbst erklärte: «Ich bin bestürzt über diesen Vandalismus an einem Ort des Gedenkens und der Mahnung.» Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) und Antisemitismus-Beauftragter Gerhard Ulrich bewerteten die Tat als potenzielle Eskalation: «Dies ist kein harmloser Vorfall, dies ist vielleicht sogar eine neue Stufe der Eskalation.»
Prien warnt vor gesellschaftsfähigem Antisemitismus
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) warnte am Montag davor, dass Antisemitismus wieder gesellschaftsfähiger werde. Sie betonte: «Gedenken ist mehr als bloße Erinnerung, es ist für uns die klare Aufforderung zu handeln.» Die Ministerin forderte: «Wir müssen Antisemitismus in seinen wandlungsfähigen Ausprägungen immer wieder erkennen, benennen und ihm entschlossen entgegentreten.»
Am Dienstag sollen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), EU-Innenkommissar Magnus Brunner und Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, am Berliner Holocaust-Mahnmal Kränze niederlegen. Am Mittwoch folgt eine Gedenkstunde im Bundestag, bei der die Holocaust-Überlebende Tova Friedman sprechen wird.
Gedenkveranstaltungen in mehreren Bundesländern
Sachsen plant zahlreiche Veranstaltungen zum Holocaustgedenktag. Landtagspräsident Alexander Dierks (CDU) wird um 11 Uhr eine Gedenkfeier im Landtag eröffnen, bei der die polnisch-norwegische Sängerin Bente Kahan Werke verfemter Künstler präsentiert. In Leipzig ist für 18 Uhr eine zentrale Gedenkveranstaltung am Denkmal des Massakers von Abtnaundorf geplant, an der US-Generalkonsulin Jodi Breilser teilnimmt.
Dierks betonte die Aktualität des Gedenkens: «Wenn Jüdinnen und Juden aus Angst vor Bedrohung teilweise wieder mit Vorsicht in die Öffentlichkeit gehen und etwa auf eine Kippa verzichten, dann ist das beschämend für unsere Gesellschaft. Das dürfen wir als Staat und als Bürgergesellschaft niemals akzeptieren.»
Auch Potsdam erinnert mit zahlreichen Veranstaltungen an die Opfer des Nationalsozialismus. Die zentrale Gedenkfeier findet um 15 Uhr in der Gedenkstätte Lindenstraße statt und erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 81 Jahren.
Scharfe Kritik an Extremismus und Untätigkeit
Bei einer Gedenkveranstaltung in Nürnberg kritisierte die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) die Untätigkeit gegen Extremismus: «Extremisten von rechts und links, radikale Muslime und Feinde der Freiheit aller Art tanzen uns auf der Nase herum.» Sie fügte hinzu: «Viel zu lang waren wir sprachlos. Tatenlos.»
Aigner forderte harte Strafen für Antisemiten: «Wer Juden den Tod wünscht, wer Israel als jüdischem Staat das Existenzrecht abspricht, muss empfindlich bestraft werden.» Filmproduzent Martin Moszkowicz, Sohn einer Holocaust-Überlebenden, warnte: «Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige.»
Die Bildungsgewerkschaften GEW und VBE kritisierten zunehmenden Antisemitismus an Schulen und forderten: «Die Politik ist in der Pflicht, alles Erdenkliche zu tun, um diese Entwicklung zu bremsen und umzukehren.» Sie mahnten, Demokratiebildung müsse Priorität haben.
Bundestag zeigt Ausstellung über jüdische Politiker
Ab Mittwoch präsentiert der Bundestag eine neue Ausstellung über jüdische Politiker mit besonderem Fokus auf Holocaust-Überlebende Jeannette Wolff (SPD). Die kostenlose Ausstellung nutzt Tagebücher, Videos und Audioaufnahmen, um die Schicksale von Abgeordneten zu dokumentieren, die als Juden oder wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden.
Der Holocaustgedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Januar 1945. Deutschland begeht den Gedenktag seit 1996, die UN-Vollversammlung erklärte den 27. Januar 2005 zum weltweiten Gedenktag. Nach Schätzungen der Jewish Claims Conference leben weltweit noch etwa 196.600 Holocaust-Überlebende.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.






