Ein Forscherteam vom Weizmann-Institut in Israel hat die Rolle der Gene für die menschliche Lebensspanne neu bewertet. Die Studie erschien im Fachjournal «Science» und kommt zu dem Ergebnis, dass über 50 Prozent der Lebensdauer vererbt werden – mehr als doppelt so viel wie bisher angenommen. Diese Erkenntnis stellt jahrzehntelange Annahmen der Altersforschung in Frage.
Bisherige Studien hatten den vererbbaren Anteil der Lebensspanne auf rund 20 bis 25 Prozent geschätzt. Eine Untersuchung der Wissenschaftlerin Anna Maria Herskind aus den 1990er-Jahren kam auf etwa 22 Prozent. Andere Forscher kalkulierten noch niedrigere Werte.
Neue Berechnungsmethode
Das Team um Ben Shenhar analysierte Daten von Zwillingskohorten, die zwischen 1870 und 1935 geboren wurden. Der entscheidende methodische Unterschied: Die Forscher schlossen systematisch Todesfälle durch äußere Faktoren aus – etwa durch Unfälle oder Infektionskrankheiten. Frühere Studien hätten diese sogenannte extrinsische Mortalität überschätzt oder falsch eingerechnet und dadurch den vererbbaren Anteil unterschätzt, argumentieren die Studienautoren.
Die neue Schätzung von rund 55 Prozent genetischem Einfluss entspricht den Werten anderer Spezies wie Mäusen und der Vererbbarkeit anderer Persönlichkeitsmerkmale beim Menschen.
Experten bewerten Studie positiv
Altersforscher, die nicht an der Studie beteiligt waren, halten die Methodik für überzeugend. Stephan Getzmann vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es ist eine sehr raffinierte Idee, die extrinsische Mortalität herauszurechnen.»
Chiara Herzog vom King's College London erklärte: «Die Modellierungen der Forscher:innen sowie die Validierung anhand realer Daten zeigen überzeugend, dass frühere Studien die Vererblichkeit der Lebensspanne unterschätzt haben.» «Die berichteten Werte einer Vererblichkeit der Lebensspanne von rund 50 Prozent sind zudem auch mit Ergebnissen aus Tiermodellen vereinbar, etwa aus Mausstudien. Eine Verdopplung gegenüber früheren Schätzungen erscheint daher plausibel.»
Lifestyle bleibt entscheidend
Trotz des höheren genetischen Einflusses betonen Experten die Bedeutung des Lebensstils. Getzmann stellte klar: «Ob ich mit 80 noch fit bin, habe ich zu einem großen Teil selbst in der Hand.» Eine gesunde Lebensweise und förderliche Umweltfaktoren könnten ein widerstandsfähiges Altern unterstützen und die Phase der Gebrechlichkeit verkürzen.
Steve Hoffmann vom Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena kommentierte trocken: «Die Ergebnisse dieser Arbeit werden mich definitiv nicht dazu bringen, wieder zu rauchen.»
Die Studienautoren fordern, künftige Forschung solle sich darauf konzentrieren, die spezifischen genetischen Varianten zu identifizieren, die der individuellen Lebensspanne zugrunde liegen. Dies würde helfen, die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Alterns besser zu verstehen.
Hinweis: Künstliche Intelligenz (KI) erstellte diesen Artikel.










